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Engagierte Vertriebene Thema beim 316. Historischen Nachmittag

Klaus Kokenge vom Heimatbund-Geschichtsausschuss und Ingrid Kathmann (v.l.n.r.) von den Ostdeutschen Heimatstuben begrüßten PD Dr. Michael Hirschfeld (rechts) als Referenten beim 316. Historischen Nachmittag in Goldenstedt-Ambergen. Foto: Hirschfeld

Wilhelm Hanisch (1915-1985) war ein typischer vertriebener Akademiker. Mittellos, aber ohne Aussicht, in Südoldenburg seine in Prag begonnene wissenschaftliche Karriere fortzusetzen, engagierte sich der promovierte Historiker aus dem Sudetenland in den 1950er Jahren stark für seine Landsleute aus dem Sudetenland, aus Schlesien und Ostpreußen. Mit Hanischs politischem Engagement in der Vertriebenenpartei BHE (Block Heimatvertriebener und Entrechteter)  stellte Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld beim 316. Historischen Nachmittag eine weitgehend unbekannte Facette des Vechtaer Hochschulbibliothekars vor.


Zu Hirschfelds Vortrag über Führungsfiguren der Vertriebenen im Kreis Vechta in den Ostdeutschen Heimatstuben in Ambergen bei Goldenstedt konnte Klaus Kokenge vom Heimatbund-Geschichtsausschuss jetzt knapp 50 Geschichtsinteressierte begrüßen. Michael Hirschfeld verwies in seinen Ausführungen darauf, dass Hanisch einer breiten Öffentlichkeit als Initiator des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland und Begründer der Historischen Nachmittage im Gedächtnis geblieben sei. Darüber sei beispielsweise die Tatsache, dass er bei den Landtagswahlen 1951 Kandidat des BHE im Wahlkreis Vechta war und aus dem Stand heraus gut 15 % der Stimmen holte, in Vergessenheit geraten.


Während Hanisch die politische Ebene vergeblich zu nutzen versucht habe, um beruflich ins Kultusministerium in Hannover zu gelangen oder aber eine Professur zu erhalten, habe der aus der Grafschaft Glatz stammende Lohner Künstler Joseph Andreas Pausewang (1908-1955) vor allem sozialpolitisch gewirkt, so der Referent. Pausewang, der für den BHE dem Lohner Stadtrat angehörte, habe sich insbesondere mit kirchlichen Stellen angelegt, denen er vorwarf, die Vertriebenenbelange nicht genügend zu berücksichtigen. Beispielsweise habe er, so Hirschfeld, den Spendenaufruf des Lohner Pfarrers Wilhelm Bitter zur Anschaffung von vier Glocken für die St.-Gertrud-Kirche 1949 gegenüber dem Offizialat scharf kritisiert. Kirchliche Spenden sollten seiner Ansicht nach zuerst für die Beseitigung der schlechten Wohnverhältnisse der Vertriebenen eingesetzt werden.


Über den Vorwurf einer Vernachlässigung sozialer Aufgaben sei auch der Vechtaer BHE-Vorsitzende Dr. Hans Grundei (1889-1958) in Streit mit Offizial Heinrich Grafenhorst geraten. Am Beispiel von Hanisch, Pausewang und Grundei, so Hirschfeld, werde deutlich, dass sich im ersten Nachkriegsjahrzehnt in erster Linie Akademiker und auch Freiberufler auf der Kommunal- und Kreisebene für die Interessen der Vertriebenen einsetzten, die sehr selbstbewusst aufgetreten wären und mit deutlichen Worten Missstände in der Integration angeprangert hätten, wodurch sie bei den Verantwortlichen in Kirche und Politik vielfach aneckten.