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Studientag als Tag 2 der "Bischofstagung"

Die lange Reihe der Referenten: Heimatbundpräsident Hans Georg Knappik (12. von links) konnte Historiker und Theologen aus ganz Deutschland in Stapelfeld begrüßen. Die Tagung wurde organisiert von Dr. Maria Anna Zumholz (8. von links) und Dr. Michael Hirschfeld (10. von links) von der Uni Vechta. Foto: Kathe

Wilhelm Berning – der Nazi-Freund. Auf diese einfache Formel ist das Verhältnis des früheren Osnabrücker Bischofs gegenüber dem Nationalsozialistischen System in der Nachkriegszeit gebracht worden. Wie sehr man mit solchen Vereinfachungen falsch liegen kann, und wie stark zugleich die Vorprägungen der katholischen Oberhirten in den Blick zu nehmen sind, darauf verwies am Samstag beim Studientag des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland in der Katholischen Akademie Stapelfeld Dr. Klemens-August Recker aus Osnabrück.


Recker, Osnabrücker Historiker und Lehrer, stellte unter dem Oberthema „Zwischen Seelsorge und Politik. Katholische Bischöfe unter dem NS-Regime“ einen Mann vor, der von seiner Vita her geprägt war durch Bismarcks Kulturkampf gegen die katholische Kirche am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Und er hoffte auf die Wiedereinsetzung der noch im Kaiserreich geltenden kirchlichen Staatsrechtslehre, wonach Kirche und Staat der Autorität Gottes unterstehen und sich quasi gegenseitig stützen und legitimieren. Berning habe ausgehend von diesen Prämissen die frühen Hitlerversprechungen, den Nazi-Staat auf eine christliche Basis zu stellen, ernst genommen und sei für eine bedingte Kooperation eingetreten.


Doch, so Recker, die Desillusionierung des Bischofs kam schnell. Sie führte ab 1934 zu einer grundlegend anderen Einstellung: „Berning hatte auf das falsche Pferd gesetzt“. Das pastorale Grundkonzept für seine Predigten sei künftig die deutliche Abgrenzung vom NS-Regime gewesen und die „Stabilitätssicherung im Glauben“. Eng, so der Referent, war dabei die Bindung des Osnabücker Bischofs zu Clemens  August von Galen. Der Bischof von Münster sei in vielem letztlich zu einem Vorbild geworden. Bernings anfängliche – und nur kurzzeitige – Kooperationsbereitschaft habe in den Nachkriegsjahrzehnten dann dazu geführt, ihm den Stempel eines „Nazi-Bischofs“ zu verpassen.


Für die wissenschaftliche Tagung in Stapelfeld, auf der auf Einladung der Arbeitsstelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung (Uni Vechta) von Freitag bis Sonntag knapp 20 Historiker und Theologen die Haltung deutscher Bischöfe in der NS-Zeit skizzierten, gab der Osnabrücker Forscher einige Anregungen. So könne man das Verhalten der Bischöfe unter bestimmte Modellvarianten sehen; beispielhaft die zunächst bedingte Kooperation mit dem Regime (Berning) oder das grundsätzliche „Konfrontationsmodell“ (Galen).


Zu Beginn der Samstagstagung hatte der Vechtaer Universitätspräsident Professor Dr. Burghart Schmidt die Teilnehmer und Gäste begrüßt. Er verwies auf die intensive, auch regionalgeschichtliche Forschung seitens der Universität, für die die aktuelle Tagung ein ausgezeichnetes Beispiel sei. Schmidt, selbst Historiker, erinnerte daran, dass es in der Wissenschaft „kein einfaches Ja oder Nein gibt“; dies gelte auch mit Blick auf die NS-Zeit und das Verhältnis von Kirche und Staat. Schmidt: „Aber es ist auch heute eine große Frage, wie ist das Verhältnis von Priestern oder Bischöfen gegenüber dem Staat. Wie weit darf man gehen?“


Heimatbundpräsident Hans Georg Knappik verwies auf die lange Reihe der Geschichts-Studientage, die 1998 ihren Anfang nahmen und deren Ergebnisse in der „Blauen Reihe“ in Buchform dokumentiert seien. Dabei hätten Universität und Heimatbund immer „gut vernetzt“ zusammengearbeitet. Dies zeige sich auch in der Tatsache, dass die beiden Organisatoren der Bischofstagung Dr. Maria Anna Zumholz und Dr. Michael Hirschfeld zugleich an der Uni wie auch im Heimatbund aktiv seien.