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Eröffnungstag der Tagung "Zwischen Seelsorge und Politik"

Das Eröffnungsteam der Tagung: Dr. Stephan Gerber aus Jena, Dr. Michael Hirschfeld, Dr. Maria Anna Zumholz und Professor Dr. Joachim Kuropka (alle Vechta; von links), Foto: A. Kathe

Es ist ein Kampf um die christliche Substanz in der Gesellschaft“. Der Vechtaer Historiker Professor Dr. Joachim Kuropka zitierte gestern in seinem Eröffnungsvortrag zur Bischofs-Tagung in Stapelfeld den Zeitzeugen Waldemar Gurian. Der Politikwissenschaftler hatte schon Mitte der 1930er Jahre das „Wüten eines Kulturkampfes“ zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus konstatiert. Und er kritisierte die zurückhaltende Reaktion der deutschen Bischöfe.


Können die Geschichtsforscher heute dieses Urteil bestätigen? Das ist die grundsätzliche Frage, die sich Wissenschaftler aus ganz Deutschland bis Sonntag in der Katholischen Akademie Stapelfeld stellen. „Zwischen Seelsorge und Politik. Katholische Bischöfe unter dem NS-Regime“, so der Titel der Tagung. Eingeladen dazu haben die Arbeitsstelle Katholizismus- und Widerstandsforschung der Universität Vechta und der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland.


Dr. Maria Anna Zumholz und Dr. Michael Hirschfeld als Organisatoren eröffneten den ersten Tagungsabschnitt. Zumholz verwies darauf, dass sich die Vechtaer Historiker schon seit den 1990er Jahren mit dem Thema befassen; jetzt allerdings intensiver mit den Fragen, welche Stärken und Schwächen jeder einzelne Bischof besaß, wie sein Selbstverständnis während der NS-Zeit aussah, welcher Handlungsspielraum er auch mit Blick auf ihre eigenen Diözesanen und die Pressionen der NS-Politik besaß.


Kuropka, der von Hirschfeld als „Nestor der Vechtaer Arbeitsstelle“ vorgestellt wurde, gab in seinem Einführungsvortrag zu bedenken, dass die historische Forschung nicht allein die „kirchenpolitische Haltung“ der Bischöfe zu betrachten habe. Deren vorrangige Aufgabe sei doch die „Seelsorge, das Hirtenamt“. Und so solle man aus wissenschaftlicher Sicht keine moralischen Urteile fälle, sondern zunächst einmal versuchen „zu verstehen, warum die Bischöfe so gehandelt haben“.


Und hier gehe es um die Charaktere der Bischöfe, um ihre jeweils ganz unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten, um die Frage, „ob sie unter den jeweiligen Umständen verantwortlich gehandelt haben“. Und diese Umstände waren, so Kuropka, geprägt davon, dass es zwar formal das Konkordat zwischen Kirche und NS-Staat gab, Partei und Staat aber in Wirklichkeit einen Kampf gegen den Glauben und gegen die Kirche führten: „Es ging um die totale Entchristlichung des deutschen Volkes, und das ist wohl nicht von allen Bischöfen zur gleichen Zeit erkannt worden.“


Knapp 20 Wissenschaftler befassen sich auf der Tagung in Einzelvorträgen mit den deutschen Bischöfen der NS-Zeit. Am heutigen Samstag bildet die Tagung zugleich den Heimatbund-Studientag zur Geschichte des Oldenburger Münsterlandes. Ab 9 Uhr stehen dabei auch Bischof Clemens August Graf von Galen und weitere Kirchenobere der Kölner Kirchenprovinz im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen.


Text: Andreas Kathe