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Akademieabend: Patente Parlamentarier

Gestalteten den Akademieabend (v.l.n.r.): Prof. Dr. Albrecht Eckhardt, Rudolf Wyrsch, Dr. Michael Hirschfeld, Dr. Maria Anna Zumholz sowie Heimatbund-Präsident Hans-Georg Knappik. Foto: G. Henneberg

Parallelen zur Kommunalwahl am Sonntag waren greifbar beim diesjährigen Akademieabend des Heimatbund-Geschichtsausschusses. Zwar ging es nicht um Ratsmandate, sondern um den Einzug in den Landtag. Aber die Frage nach den Strategien der Kandidaten zur Erlangung eines Mandats sei durchaus aktuell, merkte Heimatbund-Präsident Hans-Georg Knappik in seiner Begrüßung an.


Insgesamt ging es um die Biographien von 120 Südoldenburgern, die zwischen 1848 und 1933 bzw. 1946 dem damaligen oldenburgischen Landtag angehört hatten. Sie stellten 20% aller Mandatsträger des Landesparlaments, wie Prof. Dr. Albrecht Eckhardt aus Oldenburg in seinem Vortrag erläuterte. Der langjährige Leiter des Staatsarchivs Oldenburg hatte in jahrzehntelanger Arbeit alle Abgeordnetenbiographien in einem Handbuch zusammengetragen. Auf die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Abgeordneten machte Rudolf Wyrsch aus Westerstede in seinem Beitrag am Beispiel der „Parlamentariersippen“ Driver aus Vechta, Nieberding aus Steinfeld und Pancratz aus Friesoythe aufmerksam. 


Die Sozialstruktur der Abgeordneten der katholischen Zentrumspartei untersuchte Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld aus Vechta in seinem Vortrag. Er widerlegte aus den Quellen das frühere Historikerurteil, die Zentrumspartei sei oligarchisch und autoritär aufgebaut gewesen, insbesondere für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Als auf dem Boden der Demokratie stehende Partei habe das Zentrum Züge einer modernen Volkspartei entwickelt, indem es Kandidaten aus allen sozialen Schichten aufgestellt habe. Hirschfeld verwies auch darauf, dass die erste weibliche Landtagsabgeordnete, Maria Brand aus Essen/Oldenburg, 1919 eine südoldenburgische Zentrumskandidatin gewesen sei. Priester hätten die Fäden im Hintergrund gezogen, während unter den Abgeordneten die Beamten überrepräsentiert waren.


Dass trotz starker Berücksichtigung von Heuerleuten auf den Wahllisten des Zentrums letztere Ende der 1920er Jahre zeitweise vielfach die Christlich Nationale Bauern- und Landvolkspartei wählten, führte Dr. Maria Anna Zumholz auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurück. Anhand der Biographien der fünf südoldenburgischen Abgeordneten der Landvolk-Partei wies die Vechtaer Historikerin die These zurück, die Landvolkpartei sei eine Wegbereiterin des Nationalsozialismus gewesen. Vielmehr habe es sich um Männer aus verschiedenen Schichten gehandelt, die wirtschaftliche Interessen zeitweise zusammengeführt hätten. So waren unter den ehemaligen Abgeordneten aus dem Oldenburger Münsterland, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, sowohl ehemalige Zentrums- als auch ehemalige Landvolkabgeordnete. Alle Abgeordneten hätten ihr Mandat neben ihrem Beruf nebenamtlich wahrgenommen, betonte Prof. Eckhardt zum Abschluss und unterstrich die starke Motivation der Parlamentarier, sich für Politik und Gesellschaft einzusetzen.