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Bericht: "Deutsches Rom" bei mediterranem Wetter

Die Teilnehmergruppe der Heimatbund-Studienfahrt 2016 vor dem Erfurter Dom, Foto: Ludger Bickschlag

Besser hätte das Wetter gar nicht sein können während der Studienfahrt des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland ins Thüringer Land. Bei durchgängig strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen waren 95 Teilnehmer aus den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vier Tage „auf den Spuren Luthers“ unterwegs. Und das bewusst ein Jahr vor dem 500. Reformationsjubliäum im nächsten Jahr – bevor es dort überlaufen sein wird.


So konnten nach dem ersten Programmpunkt der Fahrt, dem märchenhaft anmutenden, neogotischen Welfen-Schloss Marienburg in Pattensen, das auf der Hinfahrt besichtig wurde, die weiteren Zielorte bei „normaler“ Besucher-Auslastung angesteuert werden, allen voran das wunderschöne Erfurt. Denn in der wegen der Fülle an Kirchtürmen auch als „deutsches Rom“ bezeichneten Stadt an der Gera nahm Martin Luthers Weg seinen Anfang. Als Student der heute ältesten Universität Deutschlands trat er hier 1505 ins das Augustinerkloster ein und wurde 1507 im Erfurter Dom zum Priester geweiht.


Jedoch begeisterte Erfurt auch mit mediterranem Flair sowie der perfekt sanierten Altstadt. Neben schmucken Renaissance- und Barockfassaden faszinierten vor allem die Krämerbrücke als längste bebaute und bewohnte Brücke Europas sowie der Dom als Wahrzeichen der Stadt. Und auch die älteste erhaltene Synagoge Mitteleuropas findet sich hier, und wartet seit 1998 mit einer einzigartigen Sehenswürdigkeit auf: dem Goldschatz von Erfurt mit dem mittlerweile weltberühmten Hochzeitsring.


Absolut unverzichtbares Ziel „auf den Spuren Martin Luthers“ war natürlich die Wartburg bei Eisenach. Hier versteckte sich Martin Luther 1521/1522 nach seinem den Prozess der Kirchenspaltung auslösenden Thesenanschlag, mit dem er die Missstände in der katholischen Kirche anprangerte, vor dem Zugriff der päpstlichen und kaiserlichen Justiz und dem sicheren Tod. Verkleidet als „Junker Jörg“ arbeitete er in der „Lutherstube“ an der Übersetzung der Bibel ins Deutsche – heute noch Grundlage für das Buch der Christenheit.


Zuflucht auf der Wartburg hätte Martin Luther nicht gefunden ohne die Erlaubnis des Burgherrn Friedrich dem Weisen, der dem Adelsgeschlecht der Ernestiner entstammte. Diese residierten später in Gotha und erbauten kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg dort das Schloss Friedenstein, das ebenfalls besichtigt wurde. Machtpolitisch waren die Ernestiner nicht sehr bedeutend, aber sie taten sich hervor als wichtige Förderer der Bildung und der großen Dichter und Denker ihrer Zeit wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller oder Wilhelm Hegel. Außerdem kam aus dieser Familie Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der spätere Mann der englischen Queen Victoria, von der durch ihre vielen Kinder alle heute noch existierenden Königshäuser Europas abstammen.


Am Ende dieser sehr lehrreichen Tage stand ein entspannter Gang durch den egapark in Erfurt. Das ehemalige Gartenschaugelände der DDR lud die Studienfahrtteilnehmer mit seinen vielen Themengärten und dem größten Blumenbeet Europas zum Flanieren ein und bildete den perfekten Abschluss.


Weitere fotografische Impressionen der Studienfahrt 2016 finden Sie hier.