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Bericht aus der Heimatbibliothek: Von Lohner Schützen und vertriebenen Schlesiern

Die alten Karten der Zitadelle als Quelle: Ingrid Arp und Michael Hirschfeld erläutern den Lohner Schülerinnen und Schülern die Arbeit mit den historischen Dokumenten und Plänen. Foto: Heimatbund/Kathe
Entdeckerfreude beim Zeitungslesen: Tim Dorniak und Sophia Beier auf der Suche nach Quellen für ihre Arbeit an den „Erinnerungsorten“. Foto: Heimatbund/Kathe

Von Andreas Kathe


Eintauchen in die Heimatgeschichte – und dies möglichst intensiv. Mit diesem Ziel haben Tim Dorniak aus Dinklage und Sophia Beier aus Mühlen jetzt die Heimatbibliothek in Vechta besucht. Gemeinsam mit weiteren Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe elf des Lohner Gymnasiums ließen sie sich über die große Vielfalt der Bücher, Zeitungen, Dokumente, sonstigen Schriften und Fotodokumente informieren, die diese Einrichtung des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland für die Nutzer bereithält.


Sophia Beier interessiert sich für das Thema Flucht und Vertreibung im und nach dem Zweiten Weltkrieg; hier vor allem um die regionalen Auswirkungen. So sucht sie auch nach Fallbeispielen aus Lohne und Umgebung. Tim Dorniak hat den Lohner Schützenverein im Blick. Wie, so seine Frage, hat sich dieser Verein entwickelt und bildete so auch die soziale Zusammensetzung der Lohner Bevölkerung ab?


Die beiden Schüler und ihre Mitstreiter haben sich zum Kurs „Erinnerungsorte im Oldenburger Münsterland“ zusammengefunden. Leiter ist Dr. Michael Hirschfeld, Lehrer am Gymnasium und zugleich als Historiker Dozent an der Universität in Vechta. Die jungen Forscher, so sagt er, bereiten sich jetzt intensiv auf ihre Facharbeiten vor, die sie ab Februar 2016 innerhalb von sechs Wochen verfassen wollen.


Die Note für diese Facharbeit ist ein Baustein für das Abiturzeugnis; so werden auch das Thema der Arbeit und die Einstufung auf dem Zeugnis erwähnt. Und, so Hirschfeld: „Alle Arbeiten, die zehn Punkte und mehr erzielen, stehen dann öffentlich in der Schulbibliothek“. Ziel dieses Kurses ist immerhin, möglichst neue Zugänge zu den vielfältigen Erinnerungsorten der Region zu gewinnen.


Helfen können die örtlichen Archive und Bibliotheken: Das Stadtmedienarchiv in Lohne, die Vechtaer Uni-Bibliothek, das Offizialatssarchiv am Vechtaer Karmeliterweg und eben die Heimatbibliothek im alten Vechtaer Rathaus sind Ziele von Exkursionen. Hier sollen sich den Schülerinnen und Schülern Formen wissenschaftlicher Arbeit erschließen. Die Frage heißt: Wie und mit welchen Quellen kann ich mein Thema am besten erfassen.


Ingrid Arp, die Leiterin der Heimatbibliothek, hat die nötigen Informationen: Seit 1911 begann eine Sammlung heimatlichen Schrifttums, die mit der Gründung des Heimatbundes 1919 intensiviert wurde. 1926 gab es die ersten, öffentlich zugänglichen Bibliotheksräume. Mehrfach musste die Sammlung umziehen – in immer größere Räumlichkeiten, bis 1999/2000 das bisherige Rathaus und frühere Vechtaer Amtshaus zum Domizil wurde.


Im denkmalgeschützten Gebäude hat sich nach und nach eine gut katalogisierte und unter modernen Kriterien erschlossene Bibliothek etabliert. So ist die digitale Suche in den Beständen möglich (www.heimatbund-om.de/heimatbund-om/heimatbibliothek.php), vor Ort können Bücher und andere Medien ausgeliehen werden, viele Alt-Ausgaben regionaler Zeitungen sind einsehbar, es gibt einen großen Buch-Bestand an Auswanderer-Passagierlisten und Interessenten können Kopien von Fotodokumente erwerben; dazu zählen auch die Aufnahmen des früheren OV-Fotografen Heinz Zurborg.


Weit zurück in die Historie verweisen die Sammlungen alter Karten, Pläne, Nachlässe von Persönlichkeiten und Familien oder handschriftlich verfasster Vereinschroniken. Ingrid Arp präsentiert den jungen Lohner Forschern Karten der früheren Vechtaer Zitadelle aus dem 18. Jahrhundert. Das Verteidigungsbollwerk wurde damals aufgegeben und weitgehend eingeebnet. Erst am Ausgang des 20. Jahrhunderts wagten sich die Stadtplaner an die Rekonstruktion; heute ist das Areal nicht nur ein Ort der Rückbesinnung auf die Geschichte, sondern auch eine wunderbare Naherholungs-Stätte.


Gleich daneben liegen ein Protokollbuch des Vechtaer Schützenvereins aus dem 19. Jahrhundert und die „Lieder der Schützen zu Damme“ aus dem Jahr 1843. Womit wir wieder im Thema wären. Denn Tim Dorniak stöbert interessiert in den alten Aufzeichnungen. Vielleicht lassen sich hier Hinweise zu den sozialen Schichtungen der Schützenvereinsmitglieder und Schützenkönige früherer Zeiten finden.


Und Sophia Beier nimmt sich der alten Zeitungsausgaben an: Sie sucht Fallbeispiele. Wie verlief die Eingliederung der Schlesier aus Mittelwalde in Lohne? Welche Firmen haben sie als Arbeitnehmer aufgenommen, damit sie sich im Oldenburger Münsterland eine neue Existenz aufbauen konnten. Spannende Fragen. Der Einstieg in die regionale Historie und damit auch in die Frage nach der heimatlichen Identität. Denn: Welche Orte, besondere Ereignisse und zeitgeschichtliche Daten verbinden uns besonders mit der Heimat – erinnern Sie sich?


Zusatz-Infos:



  • Die Sammlungen der Heimatbibliothek umfassen das gesamte Gebiet des Oldenburger Münsterlandes sowie z. T. des Oldenburger Landes.

  • Der Bestand enthält weit über 20000 Medien. Hinzu kommt die Fotosammlung; u.a. 350000 Negative des OV-Fotografen Heinz Zurborg von 1952 bis 1995.

  • Die Heimatbibliothek (Telefon 04441/976008) am Bürgermeister-Kühling-Platz 3 in Vechta ist jeweils mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.


Mail-Kontakt: heimatbibliothek@ewetel.net