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Jahrbuch 2018

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Aktuelle Infos

Studientag 2015 sehr gut besucht

Die Referenten des Studientags 2015 (v.l.n.r.): Dr. Michael Hirschfeld, Dr. Jan-Hinnerk Antons, Prof. Dr. Joachim Kuropka, Heinrich Havermann.

"Mühlen war überall." Mit diesen Worten brachte Dr. Michael Hirschfeld vor rund 70 interessierten Zuhörern mit Blick auf die Diskussion um Zwangsarbeitermorde in Mühlen zum Ausdruck, dass Gewalt in den Monaten nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Oldenburger Münsterland flächendeckend verbreitet war.


Unter dem Titel „Spuren der Gewalt vor Ort“ referierte er auf dem 18. Studientag des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland über "Spuren der Gewalt vor Ort". Dafür hatte er Lageberichte von Bürgermeistern und Erinnerungen von Zeitzeugen ebenso ausgewertet wie Register des Britischen Militärgerichts. Zudem stellte er heraus, dass sich die Vielzahl von Überfällen russischer oder polnischer Zwangsarbeiter in den Gerichtsakten nicht widerspiegele, sondern dort Vergehen von Deutschen dominierten. Für Hirschfeld ein Beleg, dass der in der lokalen Überlieferung dominierenden Erinnerung an Gewalttaten durch Ausländer eine weitaus größere Zahl an Vergehen durch Deutsche gegenüber steht. Letztere seien zwar zumeist weit weniger von Brutalität bestimmt gewesen, würden aber dennoch gern verschwiegen.


Wie sehr das öffentliche Bewusstsein von Gewalt beherrscht war, zeigte eingangs Prof. Dr. Joachim Kuropka  anhand von Zeitungsberichten und Tagebucheinträgen zwischen 1914 und 1945. Die Epoche der Weltkriege sei, so der emeritierte Neuzeithistoriker der Uni Vechta, ein Zeitalter der Gewalt gewesen, das die Verhaltensweisen am Kriegsende 1945 nachhaltig geprägt habe.


Einen sehr differenzierten Überblick über das Miteinander von Deutschen und Zwangsarbeitern in der Britischen Zone gab Dr. Jan-Hinnerk Antons von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg. Antons stellte insbesondere die Problematik zwischen neu gewonnener Freiheit und Reglementierung heraus, vor der 1945 beide Seiten gestanden hätten.


Heinrich Havermann, Ehrenmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Heimatbundes, zeichnete schließlich detailliert die militärischen Operationen in den Kreisen Cloppenburg und Vechta im Frühjahr 1945 nach. Der pensionierte Oberstleutnant wandte sich dabei insbesondere gegen Legenden, die sich über die Einnahme bzw. Zerstörung mancher südoldenburgischer Orte beständig hielten. Legendenbildung, so waren sich die Teilnehmer des Studientags abschließend einig, sei insgesamt kein guter Weg des Umgangs mit kritischen Phasen der Geschichte, vielmehr sei Transparenz gefragt, um zu zeigen, wie es denn nun eigentlich 1945 vor Ort gewesen sei.