Heimatbund für das Oldenburger Münsterland
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Aktuelles

Bericht Historischer Nachmittag: Hoffnung auf eine gute gemeinsame Zukunft

Das frühere jüdische Leben in der Region war Gegenstand des jüngsten Historischen Nachmittags des Heimatbund-Geschichtsausschusses. Unter Anleitung von Karl Sieverding, Mitglied des Geschichtsausschusses und Vertreter der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Cloppenburg, wurden zunächst die Synagogengedenkstätte und der jüdische Friedhof in Cloppenburg besucht. Anschließend führte Herr Sieverding die Teilnehmer noch zu zwei Orten mit "Stolpersteinen", die auf ehemalige Wohnorte jüdischer Mitbürger hinweisen.


Im Hotel Taphorn erwartete die Teilnehmer nach einer Kaffeetafel ein Vortrag des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Michael Grünberg. Unter dem Titel "Vom Emsländischen Landjudentum in seiner Blütezeit vor 1933 zur heutigen jüdischen Gemeinde im Bezirk Osnabrück-Emsland" sprach Grünberg sehr persönlich über die Lage der Juden in der Region im Allgemeinen und seiner Familie, die in Sögel zu den alteingesessenen gehört, im Besonderen. Wie fast überall in Deutschland waren die Deutschen jüdischen Glaubens vor 1933 auch im Raum Sögel voll integriert. So war z.B. der Großonkel Grünbergs 1923 Schützenkönig und die Menschen wussten um die jüdischen Gebräuche und Feiertage.


Dies änderte sich jedoch in Folge der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten 1933 und die Juden wurden auch in Sögel zunehmend diskrimiert, verfolgt und schließlich deportiert. Grünberg schilderte das Schicksal seiner eigenen Familie, die wie so viele fatalerweise an einen vorübergehenden "Spuk" glaubten und darum nicht auswanderten. Die schlagartige Veränderung einer ganzen Gesellschaft unter dem Druck der Nationalsozialisten macht bis heute fassungslos. Und das so häufig verwendete Argument "Wir haben das alles nicht gewusst" lässt Grünberg nicht gelten: "Es haben sehr viele gewusst, was die Nazis mit den Juden gemacht haben. Und so mancher hat sich auch beteiligt."


Dennoch kehrten bereits 1945 einige Juden wieder nach Osnabrück, Sögel und Werlte zurück, u.a. der Vater Michael Grünbergs, Louis Grünberg als einziger Überlebender des Holocaust. Heute ist die Jüdische Gemeinde Osnabrück mit 950 Mitgliedern eine der größten im Nordwesten Deutschlands, was vor allen Dingen durch die Zuwanderung jüdischer Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach 1989 begründet ist. Besonders erfreulich, so Grünberg, sei auch die enge Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche in Osnabrück, mit Bischof Franz-Josef Bode und Generalvikar Theo Paul. Durch diese Zusammenarbeit gibt es z.B. seit August 2011 einen Jüdischen Kindergarten, der sich in Trägerschaft des Bistums befindet.


Im August 2012 wird die Grundschule Johannesschule eröffnet und zwar für katholische, jüdische und muslimische Schüler. Der Religionsunterricht findet getrennt statt, aber die Kinder sollen bewusst die religiösen Gebräuche und Feiertage der anderen Religionen kennenlernen und miterleben - Integration durch gegenseitiges Kennenlernen. Dies mache Hoffnung, so Grünberg, für eine gute gemeinsame Zukunft.