Heimatbund für das Oldenburger Münsterland
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Aktuelles

Nur wenige "Irre" in Südoldenburg - Geschichtsausschuss-Vortrag über psychisch Kranke im 19. Jahrhundert

Die Zahl der Südoldenburger, die aufgrund seelischer Erkrankungen in eine Klinik eingewiesen wurden, war in der Mitte des 19. Jahrhunderts wesentlich geringer als im Norden des damaligen Großherzogtums Oldenburg. Das hat Prof. Dr. Christine Vogel ärztlichen Berichten in den Archiven entnommen. Vogel, die seit 2017 an der Uni Vechta die Professur für Geschichte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert bekleidet, referierte jetzt vor einem größeren interessierten Publikum beim jährlichen Abendvortrag des Heimatbund-Geschichtsausschusses über Leben und Alltag psychisch kranker Menschen aus dem Oldenburger Münsterland im 19. Jahrhundert. Auf Einladung des Aussschussvorsitzenden Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld stellte die Historikerin Einzelschicksale auffällig gewordener Menschen aus der Region vor, die bei vorliegender Gefährdung für die Alllgemeinheit auf Kosten des Kirchspiels bewacht werden mussten, um so die Allgemeinheit vor Übergriffen zu schützen, so etwa den Fall der "wahnsinnigen Clara L." aus Emstek, welcher die Behörden über viele Jahre beschäftigte. Die von der Aufklärung geprägte Haltung der damals modernen Medizin, "Irre" in speziellen Anstalten zu heilen, hätten nach Auskunft zeitgenössischer Quellen nur wenige Südoldenburger Familien wahrgenommen, weil die neu gegründete Spezialklinik in Wehnen bei Oldenburg, im protestantischen Norden, gelegen habe. Vogel sah aber andere Motivationen hinter der Skepsis gegenüber der "Irrenanstalt", zumal der dortige Leiter auch für eine katholische Seelsorge Sorge trug. So hätten beispielsweise die traditionellen Großfamilien in den Ämtern des Oldenburger Münsterlandes eine häusliche Betreuung garantiert, wenngleich die "Wahnsinnigen" in der Regel vor der Öffentlichkeit weggesperrt worden seien. Ebenso habe die weite Entfernung zur nächsten Anstalt der Therapieferne hiesiger Geisteskranker im Wege gestanden, so die Historikerin, die erst kürzlich in Kooperation mit dem Museum im Zeughaus in Vechta und dem Museumsdorf Cloppenburg ein Ausstellungsprojekt über Schicksale seelisch erkarnkter Menschen auf dem Lande realisiert hat.