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Aktuelles

Großes Interesse an Vortrag "Reformation im OM"

Freuten sich über die überwältigende Resonanz auf den Vortrag (v.l.n.r.): Heimatbund-Geschäftsführerin Gisela Lünnemann, Klaus Kokenge (Geschichtsausschuss), Dr. Tim Unger (Referent), Dr. Michael Hirschfeld (Geschichtsausschuss) und Heimatbund-Präsident Hans-Georg Knappik. Foto: G. Henneberg
Die Scheune des Bussjans Hofes in Dinklage war mit über 80 Personen bis in den Anbau besetzt, Foto: G. Henneberg

500 Jahre Reformation wird in diesem Jahr landauf, landab begangen und auch der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland widmet sich dem wichtigen Thema. Auftakt war der Vortrag des evangelischen Pastors Dr. Tim Unger beim Historischen Nachmittag in Dinklage. Und dass das Thema auf großes Interesse stößt, zeigte die mit über 80 Personen übervoll besetzte Hofscheune des Bussjans Hofs.


Kenntnisreich und detailliert referierte Tim Unger über die besonderen Umstände der Verbreitung der Reformation in den damaligen Ämtern Cloppenburg und Vechta. Erst gut 25 Jahre nach dem Thesenanschlag durch Luther im Jahre 1517 kamen die reformatorischen Lehren in der Region an, wie die historischen Quellen belegen. Im Zentrum standen dabei der Bischof von Minden, Osnabrück und Münster, Franz von Waldeck, und der aus Quakenbrück stammende Reformator Hermann Bonnus, der im Auftrag Franz von Waldecks 1543 eine reformatorische Kirchenordnung verfasste. Diese war recht kurz und vergleichsweise gemäßigt gehalten, beinhaltete die Kommunion in beiderlei Gestalt, deutsche Kirchenlieder im Gottesdienst, die Ehe für Geistliche und die Armenfürsorge. Dennoch stellte sich deren konsequente Umsetzung als schwierig dar, da es keine Bereisungen bzw. Visitationen in den Gemeinden gab. Nicht zuletzt dadurch war das konfessionelle Bewusstsein, ob ein Geistlicher und die Gemeinde katholisch oder evangelisch waren, in der Region kaum vorhanden.


Trotz dieser zögerlichen Verbreitung der Reformation gab es dann Widerstände angesichts der ab 1613 unter Bischof Ferdinand von Bayern einsetzenden katholischen Gegenreformation oder auch „Rekatholisierung“. Von den evangelischen Geistlichen wollten nur 4 von 60 wieder katholisch werden, die übrigen wurden durch Jesuiten ersetzt. Und seitens der Bevölkerung wusste Unger von Vorfällen zu berichten, wo im Gottesdienst Steine auf den katholischen Kaplan geworfen wurden (Lohne) oder auf das Singen lutherischer Lieder bei einer Bestattung trotz Verbots bestanden wurde (Vechta). Und es dauerte 20 bis 30 Jahre, bis das evangelische Bewusstsein in den Ämtern Cloppenburg und Vechta verschwunden und die Region, bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Goldenstedt und Neuenkirchen), wieder katholisch war.


Der Erfolg der sich durchsetzenden katholischen Gegenreformation lässt sich vor allem, so Unger, auf die damit verbundenen Schulgründungen, die Ausbildung des Prozessionswesens und die „Bilderflut“ in den Kirchen begründen. Damit hat im Niederstift Münster nicht die Reformation sondern die Gegenbewegung, die katholische Gegenreformation, das „Licht der Aufklärung“ durch die Gründung von Bildungseinrichtungen verbreitet.