Heimatbund für das Oldenburger Münsterland
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Aktuelles

Südoldenburg frühe Hochburg der Mädchenbildung: Bericht vom Hist. Nachmittag

Dr. Maria Anna Zumholz fand faszinierte Zuhörer im Klostercafé bei der Burg Dinklage. Foto: G. Henneberg

Wer das vielfach beschworene Bild vom ungebildeten katholischen Mädchen vom Lande im Hinterkopf hatte, der wurde beim 312. Historischen Nachmittag des Heimatbund-Geschichtsausschusses eines Besseren belehrt. Dr. Maria Anna Zumholz, stellvertretende Leiterin der Arbeitsstelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung der Universität Vechta, rückte dort mit ihren Forschungsergebnissen vor mehr als 50 interessierten Zuhörern gängige Klischees zurecht. Gerade das katholische Südoldenburg habe sich im 19. Jahrhundert zu einer Hochburg der Mädchenbildung entwickelt, so die These der Historikerin, die sie unter Verweis auf das vielfältige Engagement der Schwestern Unserer Lieben Frau belegte. So hätten die Angehörigen dieser auf französische Einflüsse zurückgehenden Ordensgemeinschaft nicht nur die höhere Bildung auf Lyzeen im Sinn gehabt und in Vechta ab 1929 Mädchen das Abitur ermöglicht.


Auch bei der Professionalisierung der Kenntnisse von jungen Mädchen in den Bereichen Hauswirtschaft und Kinderpflege hätten sich die Ordensfrauen als Pionierinnen erwiesen. Exemplarisch wies die Referentin auf die Gründung von Wanderhaushaltungsschulen in vielen Dörfern Südoldenburgs zu Beginn des 20. Jahrhunderts hin. Als Vorläufer dieser weitumspannenden Tätigkeiten der Ordensfrauen würdigte Zumholz die Bildungsreformen des Münsteraner Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen um 1650. Bei der Aufhebung des Fürstbistums Münster 1803 zählte Zumholz allein im heutigen Oldenburger Münsterland sieben Mädchenschulen, die sich im Bereich der Elementarbildung einer besonderen Bildungsfähigkeit von Mädchen widmeten. Die Volksschullehrerinnen waren zu diesem Zeitpunkt ihren männlichen Kollegen weitestgehend gleichgestellt. 


Insgesamt konstatierte die Referentin für das heutige Südoldenburg eine seit dem 17. Jahrhundert andauernde kontinuierliche und erfolgreiche Bildungsarbeit, während in der alten Grafschaft Oldenburg die lutherischen Herrscher keinen Wert auf die weibliche Bildung legten und das von Martin Luther propagierte konservative Frauenbild verfestigten. Vor diesem Hintergrund wertete die Vechtaer Historikerin die Reformation hinsichtlich der Frauenbildung als "Verlustgeschichte", während das von den Protestanten unterdrückte Klosterleben Frauen nicht nur Autonomie ermöglichte, wenn sie dort eintraten, sondern ihnen gerade als Schülerinnen eine Vielzahl an Bildungs- bzw. Weiterbildungschancen in einer ländlich katholischen Gesellschaft bot.