Heimatbund für das Oldenburger Münsterland
Landkreis Cloppenburg Landkreis Vechta

Termine

2019:
30.5.-2.6. Studienfahrt
22.6. "Heimatpartie" im Museumsdorf
21.9. Beiratssitzung
9.11. Münsterlandtag
23.11. Studientag
Seite aufrufen

Digitalisiertes Jahrbuch OM

Digitalisierter Heimatkalender OM

Schulportal OM und Schülerpreis OM

Informationen und Weiterleitung zum Schulportal OM
Seite aufrufen

Aktuelles

Bericht vom 309. Historischen Nachmittag

Dr. Dirk Beyer hielt einen sehr anschaulichen Vortrag über die Gemeinde Essen. Foto: K. Kokenge

"Wie London an der Themse, jedoch nicht ganz so groß, liegt Essen an der Hase und handelt frisch drauf los." Mit dieser und mit den weiteren Strophen des Essener Nationalliedes gelang es dem Referenten Dr. Dirk Beyer rasch, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, als er am Mittwoch, dem 16. März 2016, aus seiner langjährigen Forschungsarbeit zur Geschichte der Gemeinde Essen, über die bereits drei Bände erschienen sind, einen überaus informativen und interessanten Vortrag hielt.


Der 309. historische Nachmittag des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland hatte eine stattliche Anzahl von Geschichtsinteressierten für dieses Thema begeistern können und sie wurden nicht enttäuscht. In den durch eine sehr gute Präsentation unterstützten Ausführungen Beyers wurde zunächst der Naturraum Essens erklärt. Kartenmaterial und passende Luftbildaufnahmen verdeutlichten, dass ein feinadriges Bach- und Flusssystem die gesamte Gemeinde auf eine Länge von ca. 156 Kilometern durchzieht. Dies machte den Bau eines wirksamen Hochwasserschutzes von 1979 bis 1996 notwendig, der mit einer Erhöhung des Flusswalles im Essener Ortskernbereich von 0,5 Meter auf 2,00 Meter seinen vorläufigen Abschluss gefunden hat.


Auch die Entstehung der Kirchen und des Klosters in Essen waren Thema, wobei letzteres nur relativ kurz von 1175 bis 1194 bestand und durch eine Brandkatastrophe 1194 nach Malgarten verlegt wurde. Dies wurde veranschaulicht durch die Urkunden der Kirchengründung von 968 und die Stiftungsurkunde des Klosters in Essen aus dem Jahr 1175. Ebenfalls wurden die Reformation, die durch Franz von Waldeck eingeführt und durch seinen Superintendenten Hermann Bonnus im Niederstift Münster umgesetzt wurde, sowie die durch Ferdinand von Bayern 1612 erfolgte Gegenreformation thematisiert. Dadurch war der evangelische Glaube von 1543 bis 1613 für 70 Jahre in Essen und im Oldenburger Münsterland wirksam. Bis heute gibt es in Essen eine katholische und eine evangelische Kirche.


Neben einer Betrachtung der Verwaltungsentwicklung Essens interessierte die Zuhörerschaft die Ausführungen über die "Reidemeierhöfe" Große Beilage und Crone - Münzebrock. "Reidemeier" leitet sich, so Dr. Beyer, vom Althochdeutschen "reiti" ab, was in unserem Sprachgebrauch "bereit" im Sinne von "fertig" bedeutet. Dieser Begriff brachte zum Ausdruck, dass der "Reidemeier" stets ein sattelfertiges Pferd für seinen Landesherrn bereithalten musste. An diese Verpflichtung erinnerte noch bis ins 20. Jahrhundert der sogenannte "Klepperstall" des Hofes „Gr. Beilage“. Eine detaillierte Beschäftigung mit den Genealogien der beiden Höfe stellte ferner besondere Persönlichkeiten Essens heraus, die politisch aktiv waren. So waren Gerhard Crone - Münzebrock langjähriger Abgeordneter im Oldenburger Landtag, Dr. August Crone - Münzebrock Mitglied der Zentrumspartei mit einem Mandat zunächst im preußischen Landtag sowie später im deutschen Reichstag und Dr. Heinrich Große Beilage Landtagsabgeordneter in Oldenburg und Vorsitzender der Landvolkbewegung.


In einem Ausblick wurden die bäuerliche Bevölkerung und das Heuerlingswesen angesprochen sowie Handwerk und Gewerbe erwähnt. In seinem vierten Band zur Geschichte der Gemeinde, der zur Zeit von Dr. Beyer bearbeitet wird, soll auch die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert werden. Hier wird auch dem aus der Gemeinde Essen stammenden Pater Aurelius Arkenau gedacht, der Juden vor der Verschleppung bewahrt und im Dominikanerkloster in Leipzig versteckt hatte.