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Bericht: Vor 100 Jahren fiel die Feier schon einmal aus

Einen sehr spannenden Vortrag hörten die Teilnehmer des Historischen Nachmittags am 18.06.2014 von Markus Instinsky (Mitte), hier mit den Vorsitzenden des Geschichtsausschusses Dr. Michael Hirschfeld (links) und Dr. Maria Anna Zumholz (rechts). Foto: Heimatbund

Die Bierseidel waren schon fertig, die Festschrift gedruckt, die Anmeldekarten an Hunderte von ehemaligen Schülern in aller Welt verschickt: Da brach der Erste Weltkrieg aus und das über zwei Jahre vorbereitete 200-jährige Jubiläum des Gymnasium Antonianum musste 1914 kurzfristig abgesagt werden. Hundert Jahre später kann zwar im Frieden gefeiert werden, aber ohne konkreten Anlass. Zumindest seit belegt ist, dass die Schule erst fünf Jahre später, 1719, gegründet wurde und in diesem Jahr folglich zu Unrecht ihre 300-Jahrfeier begangen hätte. Auf diese Parallele zwischen den beiden Jubiläumsjahren wies Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld als Vorsitzender des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland zu Beginn des 301. Historischen Nachmittags hin, der das Thema hatte: "Das Gymnasium Antonianum 1914: Jubelfeier und Kriegsausbruch".        


Kurzweilig und teils amüsant berichtete der Referent Markus Instinsky, langjähriger Deutsch- und Geschichtslehrer am Antonianum und guter Kenner der Schulgeschichte, zunächst von dem immensen Aufwand, mit dem die 200-Jahrfeier vorbereitet wurde. Außerdem gab er einen Einblick in die Vielzahl an Aktionen, die das bis zu diesem Zeitpunkt noch einzige Gymnasium im Oldenburger Münsterland vor hundert Jahren plante. Der pensionierte Oberstudienrat zeichnete das Bild einer Generation von Schülern, die deutliche Parallelen zu den Gymnasiasten in den Bildungsromanen von Heinrich und Thomas Mann aufwies. Geprägt von humanistischer Bildung sollte sie die geistige Elite von morgen darstellen. Instinskys zeitintensive Auswertung aller im Schularchiv erhaltenen Rückmeldungen für die Feier gab ihm nicht nur Aufschluss über die enge Verbundenheit der Ehemaligen mit ihrer alten "Penne", sondern auch über deren akademische Karrieren in Kirche, Politik und Verwaltung.


In herbem Kontrast zu dieser bildungsbürgerlichen Idylle stand für den Referenten die harte Realität nach dem Kriegsausbruch. Mit eben der Kraft, die der damalige Direktor Wilhelm Kotthoff auf eine würdige Gestaltung des Jubiläums gerichtet hätte, habe er nun seine Schüler dazu gedrängt, sich freiwillig an die Front zu melden, was eine nicht unerhebliche, auch in der Presse ausgetragene Auseinandersetzung in Vechta ausgelöst habe. Zwar hätten sich einige Schüler, auch durch Schulwechsel, dem übertriebenen Nationalismus des Schulleiters entzogen, letztlich sei aber eine ganze Schülergeneration auf dem Schlachtfeld des Krieges geopfert worden. Damit sei auch Vechta – so Instinsky – ein Spiegelbild für den 1914 herrschenden Hurra-Patriotismus.