Heimatbund für das Oldenburger Münsterland
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Aktuelles

Bericht vom Studientag am 01.12.2012

Niederdeutsche Literatur ist ein zentraler Baustein der regionalen Identität des Oldenburger Münsterlandes. Ihre Geschichte seit dem 19. Jahrhundert muss allerdings erst noch geschrieben werden. Und auch über die Motive niederdeutscher Autoren weiß die bisherige Forschung zu wenig. Das sind die wichtigsten Ergebnisse des 15. Studientages zur Geschichte des Oldenburger Münsterlands, der am Samstag in der Katholischen Akademie in Stapelfeld stattfand.


„Plattdeutsche Autoren teilen sich im Allgemeinen über ihre Werke hinaus wenig mit“, erklärte Dr. Reinhard Goltz dem interessierten Publikum. Der Geschäftsführer des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen gab in seinem Vortrag einen Überblick über die Entwicklung der plattdeutschen Literatur in Norddeutschland insgesamt. Vor allem stellte er die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen von 1992 als Meilenstein für die Zukunft des Plattdeutschen heraus, obgleich um deren Umsetzung immer wieder auf politischer Ebene neu gerungen werden müsse.


Im Gegensatz zu Goltz kritisierte der frühere INS-Geschäftsführer und Kulturwissenschaftler Dr. Ulf-Thomas Lesle (Cuxhaven) die Charta massiv, weil sie nur angestammte Minderheiten berücksichtige. Zudem unterstellte er gegenwärtig eine zunehmende Vereinnahmung des Niederdeutschen zu politischen Zwecken. Ohnehin sei Platt durch die Nähe der meisten seiner Autoren zum Nationalsozialismus nachhaltig belastet, so Lesle. Er bezeichnete das Niederdeutsche nicht als eigenständige Sprache, sondern als Dialekt, der in eine Gruppe von Mundarten zerfalle. Mit seinen Thesen sorgte Lesle für kontroverse Diskussionen unter den Teilnehmern des Studientages. So wurde auf die erfolgreichen Bemühungen verweisen, das Plattdeutsche in den Schulen und in der Öffentlichkeit stärker zu verankern.


Kritik übte auch der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Plattdeutsche Sprache und Literatur bei der Oldenburgischen Landschaft und Stapelfelder Akademiedozent Heinrich Siefer in seinem Referat über niederdeutsche Autorinnen und Autoren im Oldenburger Münsterland. Deren Geschichten und Gedichte verklärten Heimat vielfach zu einer Idylle, indem sie nur das Schöne und Gute aufgriffen. Darüber hinaus fehle ein Lexikon plattdeutscher Dichter der Region. Anhand ausgewählter Werke von Wilhelm Brockhaus und Maria Hartmann gab Siefer abschließend einen eindrucksvollen Einblick in die Sprachmächtigkeit und den Sprachwitz im Oldenburger Münsterland plattdeutsch schreibender Autoren.


Deren Stellenwert für die Region hatte bereits eingangs Heimatbundpräsident Hans-Georg Knappik in seiner Begrüßung der Teilnehmer aus dem gesamten Oldenburger Münsterland hervorgehoben und seinen Dank an Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld (Vechta) ausgesprochen, der zum 10. Mal in Folge die Organisation und Moderation der Veranstaltung übernommen hatte.