Vorstellung Heft 7 der BLAUEN
REIHE am 26.11.2001
Von
Entnazifizierung und Hamsterkäufen
Heimatbund stellt Heft 7 der „Blauen Reihe" vor - 4.
Studientag untersucht die Gegenwart
Von Hermann Gerdes
Stapelfeld. Am Rande des 4. Studientags seines
Ausschusses für Geschichte hat der Heimatbund für das Oldenburger
Münsterland am Sonnabend im Kardinal-von-Galen-Haus in Stapelfeld
das Heft 7 der „Blauen Reihe" vorgestellt. „Jahre des Neubeginns
- Die Nachkriegszeit im Oldenburger Münsterland" lautet der
Titel. Der Ausschuss für Geschichte unter der Leitung von Engelbert
Beckermann ist indes historisch gesehen eine Etappe weiter. Er beschäftigte
sich mit der Frage „Was bleibt von der Identität des Oldenburger Münsterlandes?".
Unter den Referenten waren Professor Dr. Helmut Ottenjann, Prof. Dr. Hermann
von Laer und der Lohner Bürgermeister Hans-Georg Niesel. Sie beschäftigten
sich mit, aktuellen Entwicklungen in „OM".
Das Heft 7 der „Blauen Reihe" thematisiert zum Beispiel die Entnazifizierung
und die Ankunft der Flüchtlinge. Es ist für 24,80 DM im Buchhandel
erhältlich und fasst die Ergebnisse des 3. Studientags des Geschichtsausschusses
zusammen. Manfred Renze (Druckerei Ostendorf) überreichte in Stapelfeld.
Hartmut Frerichs, Präsident des Heimatbundes, und Engelbert Beckermann
erste Exemplare.
Der Stoff ist interessant: Keiner der katholischen oldenburgischen
Geistlichen habe der NSDAP angehört. Einige hatten zwar einen Antrag
gestellt, sind aber nicht aufgenommen worden. Und als am 20. Juni 1946
der erste Flüchtlingstreck in Garrel ankam, galt der Fahnenschmuck
nicht ihm, sondern der Fronleichnamsprozession. Als aber 1949 die vielen
Flüchtlinge kamen, unternahnen die Katholiken große Anstrengungen,
um die Vertriebenen zu unterstützen.
Solche Details und große Zusammenhänge
sind bei den fünf Hauptautoren des Heftes nachzulesen.
Professor Joachim Kuropka, profunder Kenner der jüngsten „OM"- Geschichte,
stellt die demokratischen Strukturreformen und den politisch-gesellschaftlichen
Wandel nach 1945 dar. Das noch weitgehend unbearbeitete Feld der Entnazifizierung
irr ehemaligen Land Oldenburg erschließt der Oldenburger Historiker
und NWZ- Journalist Olaf Reichert. Seine Aussagen werden ergänzt von
Archivleiter Willi Baumann, der im Offizialatsarchiv / Vechta neue Quellen
zur Entnazifizierung der katholischen Geistlichen des Offizialatsbezirks
entdeckt hat. Mit dem Alltag auf dem Lande, mit Ernährungskrise, Ablieferungszwang,
Schwarzmarkt und Hamsterwesen beschäftigt sich Karl-Heinz Zieslow,
Kustos am Museumsdorf Cloppenburg. Der Vechtaer Michael Hirschfeld thematisiert
die Ankunft der Flüchtlinge und Vertriebenen im Oldenburger Münsterland.
Der Band ist reichhaltig bebildert.
Veröffentlichungen
des Geschichtsausschusses
erfolgen in der Blauen Reihe, die der Heimatbund herausgibt und auch
dort zu beziehen sind.
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