Presse Artikel
"Oldenburgische Volkzeitung" vom 23. September  2004
- Oldenburger Münsterland -

Zwischen Katholizismus und Kalvinismus
Die diesjährige Studienfahrt des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland führte die Teilnehmer nach Rheda-Wiedenbrück.

Die Trennung der Stadt durch die Autobahn in Rheda und Wiedenbrück spiegelt die historischen Wurzeln der beiden ursprünglich eigenständigen Städte wieder. Zunächst stand jedoch die Abteikirche in Marienfeld auf dem Besuchsprogramm. Die Teilnehmer waren beeindruckt von der Klarheit und der Harmonie, die vom Bau der fast 800 Jahre alten Kirche ausgehen. Die heute zum Pfarrverband Harsewinkel gehörende Kirche ist das letzte Überbleibsel des 1829 verkauften und abgebrochenen Zisterzienserklosters in Marienfeld. Im Jahre 1185 kamen die Mönche des Zisterzienserordens auf Einladung des damaligen Fürstbischofs von Münster, Hermann II. von Katzenellenbogen (1173-1203), in die dünn besiedelte Grenzgegend zwischen Münster, Osnabrück und Paderborn. Zusammen mit dem Kloster Corvey war Marienfeld eines der reichsten und bedeutendsten Klöster Westfalens. Krönung des Kirchenbesuches war das durch den Organisten der Cloppenburger St. Andreas-Gemeinde, Karsten Klinker, gegebene Orgelkonzert. Am Nachmittag besuchten die Studienfahrtteilnehmer Wiedenbrück, ehemals eine Exklave des Fürstbistums Osnabrück. Hier zeigten sich die Besucher spürbar beeindruckt von den gut erhaltenen, schmucken Bürgerhäusern mit den reich verzierten Fachwerkgiebeln und breiten Toreinfahrten. Diese Häuser sind zum Teil schon im 16. Jahrhundert errichtet worden und zwar auch von Bürgern der damals eigenständigen, kalvinistisch beherrschten Stadt Rheda, weil damals im katholischen Wiedenbrück eine größere architektonische Freiheit herrschte.

Den letzten Programmpunkt bildete das Schloss Rheda. Erbaut um 1170 war dies zusammen mit dem Ort Rheda Mittelpunkt einer selbständigen Herrschaft. Hier schloss sich der Kreis der Studienfahrt, da sich der erste Inhaber der Herrschaft, Widukind von Rheda, für die Gründung des Klosters Marienfeld eingesetzt hatte. Nach dessen Tod auf dem Kreuzzug Kaiser Barbarossas vor Akkon fielen Schloss und Herrschaft Rheda an das Haus zur Lippe. Unter deren Herrschaft entstand der Großteil der heutigen Schlossanlage.

 Bild: Durch das Gelände der Landesgartenausstellung in Rheda-Wiedenbrück wanderten die Teilnehmer der Studienfahrt des Heimatbundes.

 



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