Presse Artikel
"Münsterländische Tageszeitung" vom 24. September  2004

Zwischen Katholizismus und Kalvinismus

Studienfahrt des Heimatbundes führte nach Rheda-Wiedenbrück

 Oldenburger Münsterland (mt) - Rheda-Wiedenbrück war diesmal das Ziel der Studienfahrt des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland. Die Trennung der Stadt durch die Autobahn in Rheda und Wiedenbrück spiegelt die historischen Wurzeln der beiden ursprünglich eigenständigen Städte wieder. Die Eindrücke der Studienfahrt fasst Gabriele Havermann in dem folgenden Bericht zusammen.

Zuvor wurde die Abteikirche in Marienfeld besichtigt, eine fast 800 Jahre alte Kirche. Die heute zum Pfarrverband Harsewinkel gehörende Kirche ist das letzte Überbleibsel des 1829 verkauften und abgebrochenen Zisterzienserklosters in Marienfeld. Im Jahre 1185 kamen die Mönche des Zisterzienserordens auf Einladung des damaligen Fürstbischofs von Münster, Hermann II. von Katzenellenbogen (1173-1203), in die dünn besiedelte Grenzgegend zwischen Münster, Osnabrück und Paderborn. Der 1203 begonnene, jedoch erst 1222 eingeweihte Kirchenbau – es handelt sich hier um die einzige bis heute erhaltene Zisterzienserkirche Westfalens – unterstrich die führende Stellung des Klosters Marienfeld. Zusammen mit dem Kloster Corvey war Marienfeld eines der reichsten und bedeutendsten Klöster Westfalens. Krönung des Kirchenbesuches war das durch den Organisten der Cloppenburger St. Andreas-Gemeinde, Karsten Klinker, gegebene Orgelkonzert. Am Nachmittag besuchten die Studienfahrtteilnehmer Wiedenbrück, ehemals eine Exklave des Fürstbistums Osnabrück. Hier zeigten sich die Besucher spürbar beeindruckt von den gut erhaltenen, schmucken Bürgerhäusern mit den reich verzierten Fachwerkgiebeln und breiten Toreinfahrten. Diese Häuser sind zum Teil schon im 16. Jahrhundert errichtet worden und zwar auch von Bürgern der damals eigenständigen, kalvinistisch beherrschten Stadt Rheda, weil damals im katholischen Wiedenbrück eine größere architektonische Freiheit herrschte.

Den letzten Programmpunkt bildete das Schloss Rheda. Erbaut um 1170 war dies zusammen mit dem Ort Rheda Mittelpunkt einer selbständigen Herrschaft. Hier schloss sich der Kreis der Studienfahrt, da sich der erste Inhaber der Herrschaft, Widukind von Rheda, für die Gründung des Klosters Marienfeld eingesetzt hatte. Nach dessen Tod auf dem Kreuzzug Kaiser Barbarossas vor Akkon fielen Schloss und Herrschaft Rheda an das Haus zur Lippe. Unter deren Herrschaft entstand der Großteil der heutigen Schlossanlage. Diese ist mit einem quadratischen Wehrturm und Wohngebäuden verschiedener Stilepochen ein gutes Beispiel für den architektonischen Wandel vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Ergriffen standen die Fahrtteilnehmer in der im reinsten romanischen Stil ausgestatteten Doppelkapelle des uralten Wehrturms, staunend durchschritten sie die reich möblierten Zimmer eines aus der Biedermeierzeit stammenden Wohntraktes.

 Bilder:
Reich verziert:
Ein aufwändig restauriertes Fachwerkhaus in Wiedenbrück.
Marienberg:
Reste des Kreuzganges im ehemaligen Zisterzienserkloster.
Prächtige Fassade:
Im Innenhof von Schloss Rheda vor dem Renaissance-Trakt.



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