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Studienfahrt des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland nach Berlin
Pracht und Prunk im Mittelpunkt
Berlin als Zentrum – auch der Baukunst
Von Andreas Kathe (Text und Fotos)
Die Berliner „Mitte“ im Mittelpunkt. Ein ganz banaler Ausspruch, der mit Blick auf Deutschlands Hauptstadt aber zu einer Kernaussage wird. Denn da, wo die Mauer einst Berlin teilte und ein wüstes Niemandsland zurückließ, pulsiert heute - 15 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR - das Leben. Das einstige Zentrum Westberlins rund um den Kurfürstendamm verliert zunehmend an Bedeutung und mit den Touristenströmen orientiert sich die Geschäftswelt immer mehr in Richtung Friedrichstraße, Potsdamer Platz und Alexanderplatz.
Dieses
neue - und dabei eigentlich doch ganz alte - Berlin lernten 150 Heimatfreunde
aus den Kreisen Vechta und Cloppenburg von Donnerstag bis Sonntag im Rahmen der
Studienreise des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland kennen. „Zentren
Europas“, so heißt seit zwei Jahren die Überschrift der
Heimatbund-Mehrtagesfahrten. Die Tour in diesem Jahr bestätigte eindrucksvoll
die bedeutende Rolle der Hauptstadt in Vergangenheit und Gegenwart.
Das alte Berlin ist gegenwärtig in den Prunkbauten, die den II. Weltkrieg beschädigt überstanden oder die danach nach alten Vorgaben wieder errichtet wurden. Der Berliner Dom gehört dazu, den Kaiser Wilhelm II. 1893 bis 1905 gestalten ließ. Die größte protestantische Kirche Europas sollte es werden, ein markantes Zeichen deutschen Weltmachtstrebens zur Jahrhundertwende.
Wilhelm
übersteigerte völlig, was seine Vorgänger, die Hohenzollern-Könige, durchaus
kunst- und stilvoll in Szene setzten. Ein Beispiel dafür ist das
Charlottenburger Schloss, dessen Geschichte als „Lustschloss“ für Kurfürstin
Sophie Charlotte im 17. Jahrhundert begann. Friedrich der Große und seine
Nachfolger erweiterten die Anlage und schufen auch mit dem Schlosspark ein
wunderschönes innerstädtisches Refugium, das den Heimatfreunden anschaulich vor
Augen führte, wie vor Zeiten strenge barocke Gartenkunst und - später dann -
englischer Landschaftsgarten in Mode kamen und die Baukunst ergänzten.
Schloss Charlottenburg wird übrigens jetzt Ausweichquartier für den neuen Bundespräsidenten Horst Köhler, denn dessen Amtssitz Schloss Bellevue in Berlins Mitte wird grundlegend saniert. Für die kommenden Monate und Jahre finden deshalb die Empfänge des Präsidenten weitgehend in Charlottenburg statt.
Dem Lustschloss zur Seite stehen Bauten, die zum Besten gehören, was die Architektur der Zeit zu bieten hatte: Deutscher und Französischer Dom am Gendarmenmarkt, das Zeughaus an der Straße „Unter den Linden“, später dann die Bauten der Museumsinsel, der Humboldtuniversität und natürlich das Reichstagsgebäude.
Dieses Haus des „Volkes“ überstand schwere Zeiten, wie die Besucher aus dem Oldenburger Münsterland bei einer ausgiebigen Besichtigung und einer Spree-Tour erfuhren. Kaiser Wilhelm II. mochte das 1884 bis 1894 errichtete Bauwerk nicht, weil er auch den Parlamentarismus verabscheute, die Nationalsozialisten nutzten den Reichstagsbrand 1933 für den Ausbau ihrer dann absoluten Macht, die Sowjetfahne auf dem Dach schließlich symbolisierte 1945 das Ende des Terrorregimes und zugleich den Beginn des „Kalten Krieges“.
Der Reichstag heute als Sitz des Deutschen Bundestages kennzeichnet architektonisch einen Aufbruch in neue Zeiten. Die grandiose Kuppel des britischen Stararchitekten Norman Foster leitet Luft und Licht in das weite Rund des Plenarsaals - und schafft zumindest baulich die Voraussetzungen für die politische Erleuchtung.
Schlägt der Reichstag noch Brücken zwischen architektonischen Welten, führt die neue politische Bauachse an der Spree vollends in die modernen Zeiten hinein: Vom Bundeskanzleramt - von den Berlinern als „Bundeswaschmaschine“ oder „Kohlosseum“ aufgespießt -leitet diese monumentale Gebäudestrecke hin zu den Büro- und Sitzungsgebäuden Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Löbe war Sozialdemokrat und letzter frei gewählter Reichstagspräsident, Lüders war eine bedeutende liberale Politikerin. Der politischen Ausgewogenheit wegen liegt gegenüber, auf der anderen Spree-Seite das Jakob-Kaiser-Haus, benannt nach einem Mitbegründer der CDU.
Mit
diesen Parlaments- und Regierungsgebäuden erhält die Berliner Mitte ein neues
Gesicht und Gewicht. Manchen erscheint es zu bombastisch, andere sehen darin die
angemessene Reaktion auf die heutige wirtschaftliche und politische Stellung der
Bundesrepublik.
Den Teilnehmern wurden auf der ausgezeichnet von Heinrich Havermann und Berna Sassen vorbereiteten Fahrt viele Eindrücke von den Bemühungen um das alte und neue Berlin geboten.. Das betonten auch Heimatbundpräsidentin Hildegard Kronlage und ihr Stellvertreter Hartmut Frerichs. Sie schlossen in den Dank auch die Mitorganisatoren Irmgard Krapp, Benno Dräger und Heinrich Hachmöller ein.
Bild 1: Obligatorisches Gruppenbild: Das
Brandenburger Tor gehört zum Pflichtprogramm jeder Berlinreise
Bild 2: Wie mit dem Lineal gezogen: Die barocke
Gartenanlage des Schlosses Charlottenburg fasziniert durch die völlig
symmetrischen Linienführungen.
Bild 3: Wie in England: Schloss Cecilienhof in Potsdam wurde von Kronprinz
Wilhelm 1913 bis 1917 im Landhausstil errichtet.