Presse
Artikel
„Erinnerungsorte" unserer Heimat
Studientag-Thema: Region und Religion
Von Andreas Kathe
Stapelfeld - „Als Heimatbund haben wir keine Patentrezepte, wie mit dem gesellschaftlichen und religiösen Wandel auch in unserer Region umzugehen ist“, so stimmte Heimatbundpräsidentin Hildegard Kronlage am Samstag die Teilnehmer des 9. Studientages zur Geschichte des Oldenburger Münsterlandes ein: „Aber wir haben den Auftrag, heimatliche Kultur zu bewahren und wollen die Bevölkerung für die Veränderungen sensibilisieren.“
Der
Blick des Heimatbundes, dessen Geschichtsausschuss alljährlich den Studientag im
Kardinal-von-Galen-Haus in Stapelfeld durchführt, richtete sich diesmal auf
„Konfessionelle Erinnerungsorte im Oldenburger Münsterland“. Inwieweit können
sie, so eine Eingangsfrage, zur Entstehung einer spezifischen Identität
beitragen, die der Region eine nachhaltige Prägung verleiht?
Dazu stellte Kronlage eingangs fest, dass es zwar eine „starke Sehnsucht der Menschen nach fester Bindung und nach Werten gibt“, eine „bewusste Suche nach Identifikationspersonen wie den Papst“. Zeitgleich sei aber auch der schleichende Auszug der Religion aus der Gesellschaft zu bemerken, deutlich an zurückgehenden Kirchenbesucherzahlen oder einem gravierenden Wandel der Trauerkultur, in der sich bereits „Entsorgungsmentalität“ breit mache. Die „vehemente Suche nach kollektiver Erinnerung“ gebe es trotzdem: „Gebäude, Denkmäler, Personen, Institutionen werden als Erinnerungsorte wiederentdeckt und konserviert“.
Dr. Michael Hirschfeld von der Hochschule Vechta als Moderator der Veranstaltung verwies darauf, dass jedes Milieu sich seine Erinnerungsorte schaffe - so auch das katholische Milieu unserer Heimat mit den Kirchen, Klöstern, Sitten und Bräuchen. Er erinnerte an Beispiele wie das Alexandergedenken in Wildeshausen und Vechta, die Himmelfahrtsprozessionen in Essen und Vechta oder das Galen-Gedenken. Beispiele solcher religiöser Erinnerungsorte und -Personen schilderten im Anschluss ausführlich die Referenten der Tagung; da ging es unter anderem um den „Moorpapst“ Heinrich Grafenhorst, um die Simultaneen in Goldenstedt und Neuenkirchen, das Kreuzkampfgedenken oder um den Wandel in Kirchenbau- und Ausstattung.
„Fallbeispiele und Pilotprojekte“ für einen künftigen „Atlas der Erinnerungsorte“ nannte sie Hirschfeld. Die rund 40 Teilnehmer der Tagung nahmen nach sechs anspruchsvollen Vorträgen und ausführlichen Diskussionen eine Fülle neuer Eindrücke und Erkenntnisse mit.
Bild:
Das Verhältnis von Region und Religion
unter die Lupe nahmen am Samstag in Stapelfeld (von links) Professor Dr. Joachim
Kuropka, Dr. Maria Anna Zumholz, Dr. Michael Hirschfeld, Professor Dr. Alwin
Hanschmidt, Hildegard Kronlage und Dr. Tim Unger. Weitere Referentin war Dr.
Ruth Irmgard Dahlinghaus.