Presse Artikel

Oldenburgische Volkszeitung  
–  Oldenburger Münsterland  –  22. Mai 2007


Alte und neue europäische Fundamente
Heimatbund: Auf der Studienfahrt begeisterten die Trierer Kaiserthermen und ein Bischof
Von Andreas Kathe (Text und Fotos)

Oldenburger Münsterland - Europa braucht das Christentum als tragfähiges Fundament - und die Christen sind aufgerufen, dieses Europa aktiv mit zu gestalten. Bischof Dr. Reinhard Marx lieferte am Sonntag in einem Pontifikalamt im Trierer Dom mit seiner Predigt eine Programmrede für die Studienfahrten des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland. Und dies, ohne es selbst zu wissen. Denn die gut 100 Heimatfreunde aus den Kreisen Cloppenburg und Vechta waren eher zufällig Teilnehmer am Festgottesdienst des Verbandes der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas (UV).
Marx' beeindruckende Predigt war schon fast Höhepunkt einer ebenso gelungenen wie in sich runden Fahrt, die von Himmelfahrt bis Sonntag nach Bonn, Luxemburg, Trier und schließlich zum Kloster Maria Laach führte. Europas Geschichte von der Römerzeit bis zur Einigung und zum Ausbau der Europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg bildete den Rahmen, der ausgefüllt wurde unter anderem durch den Abstieg in die Trierer Kaiserthermen aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus und durch den Aufstieg in die Höhen moderner europäischen Rechtsprechung beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.
Rene Loschetter, einer der Luxemburger Gästeführer, erwies sich als Glücksfall beim Blick auf das Höchste Gericht der EU, das sich mit der Rechtsauslegung in den 27 Mitgliedsstaaten ebenso zu befassen hat wie mit den Problemen einzelner Bürger, die sich durch nationales Recht zurückgesetzt fühlen; ein Beispiel ist das Verfahren zur gleichberechtigten Aufnahme von Frauen in die Bundeswehr.
„Sicherlich sind hier viele Verfahren für den außen stehenden Betrachter einfach nur langweilig", stellte Loschetter, von Haus aus Ingenieur, nüchtern fest, um dann aber die Einrichtung des Gerichtes vehement zu verteidigen: „Mit rund 235 Millionen Euro kostet es rund ein Prozent des EU-Etats. Für unsere Justiz bin ich einverstanden, dieses eine Prozent auszugeben." Mit Sachkunde und einem gewissen Schalk im Nacken versöhnte der Luxemburger mit dem leider entstehenden Besuchereindruck, dass sich die hohen Herren und Damen Europarichter außerhalb ihres engeren Arbeitsfeldes eher ungern mit dem gemeinen Bürger abgeben.
Bürger eines umfassenderen europäischen Reiches waren es auch, die es sich vor 1700 Jahren in den Trierer Kaiserthermen gut gehen lassen sollten. Der römische Kaiser Konstantin legte kurz nach 293 den Grundstein für den Monumentalbau, der nie ganz fertig gestellt und in Betrieb gehen sollte, weil der Kaiser seinen Sitz nach Konstantinopel verlegte. Die Thermen überstanden die Zeit als Kasernenbau oder Teil mittelalterlicher Stadtbefestigung, und so konnten die Heimatfreunde aus dem Oldenburger Münsterland in den unterirdischen Gängen erleben, mit welch' ausgeklügelter Technik es dem römischen Reich gelang, über Jahrhunderte eine Vorbildfunktion auszuüben und Reichsteile zusammenzuhalten.
Europäische Union und römisches Reich, das vom Christentum geprägte Mittelalter mit seinen Kirchen wie zum Beispiel das Bonner Münster oder das Kloster Maria Laach, sie alle führten den Teilnehmern Verbindendes vor Augen. Auf dieses Ziel verwies Heimatbundpräsident Hartmut Frerichs, der die Heimatfreunde begleitete und zum Abschluss vor allem dem Vorbereitungsteam mit Heinrich und Jutta Havermann, Berna Sassen, Ulrike Hinrichs, Heinrich Hachmöller, Benno Dräger sowie den Busfahrern der Firmen Schomaker und Hanekamp dankte.

Bildbeschreibungen:

Bild 1:
Fröhlich unterwegs im Kurfürstlichen Schlosspark zu Trier: Die Heimatfreunde aus dem Oldenburger Münsterland durchquerten von der Antike bis in die jüngste Vergangenheit hinein zwei Jahrtausende europäischer Geschichte – und Regenschirme blieben geschlossen.

Bild 2:
Leere Plätze auf dem Podium: An Arbeitstagen jedoch versammeln sich im großen Saal des EU-Gerichtshofes pro Fall immerhin bis zu 15 Richter.

Bild 3:
Stärkung muss sein: „Sieben Gänge“ auf dem Busparkplatz: Fahrtverpflegung beim Zwischenstopp in Maria Laach.

Bild 4:
Mit offenen Armen: Engels-Empfang am Zugang zur Klosteranlage Maria Laach.

Bild 5:
Schräge Gesellen: Figurengruppe am Eingangsportal der Liebfrauenkirche zu Trier laden zum Hingucken ein.

Bild 6:
Vom Fuß der heiligen Stiege ein Blick auf die Ausmalungen der Bonner Kreuzbergkirche.

Bild 7:
Mit dem Schloss im Rücken starteten die Heimatbundfahrer in Bonn am ersten Reisetag ihre Besichtigungstour, die sie in der Innenstadt zur Münsterkirche führte.

Bild 8:
Ein beeindruckender Blick bietet sich vom Zentrum der Stadt Luxemburg aus auf das Tal der Alzette mit den ehemaligen Klostergärten und den Resten der Burganlage auf der linken Seite.

Bild 9:
Gut verstanden sich Kurt Enneking (rechts) und Fremdenführer René Loschetter (links).

Bild 10:
Auf großem Fuße: Die Kopie des Konstantinfußes vor der Porta Nigra wirbt für die Konstantinausstellung.

Bild 11:
Hinab in den Untergrund: Jens Baumeister (Mitte) zeigte sich als fachkundiger Führer durch die Trierer Kaiserthermen.

Bild 12:
Handschlag mit dem Bischof: Reinhard Marx hielt im Trierer Dom eine beeindruckende Predigt.
 



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