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Delegiertentag am 06. März 2004 in Bösel
„Mutwillig zerschlagen“
Scharfe Resolution zur Verwaltungsreform
Bösel (hg) - Der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland sieht in der Verwaltungsreform des Landes die Gefahr, dass „bewährte Strukturen und der Zusammenhalt einer kulturell und wirtschaftlich erfolgreichen Region mutwillig zerstört und zerschlagen werden sollen“. Arbeitsbeziehungen im Oldenburgischen würden gekappt und damit die Bindungen zwischen den Landkreisen Cloppenburg und Vechta zerschnitten. In einer mit nur einer Enthaltung verabschiedeten Resolution wendeten sich die Delegierten des Verbandes auf ihrer Tagung in Bösel in scharfer Form gegen solche Tendenzen und forderten, dass die Interessen in der Region stärker als bisher berücksichtigt werden.
Der Heimatbund für das 0ldenburger Münsterland umfasst rund 49 Heimatvereine der Region, die beiden Landkreise Cloppenburg und Vechta sowie die 23 Kommunen von Barßel bis Damme. Ihre Delegierten waren sich einig in der Beurteilung des bisherigen Verlaufs der Verwaltungsreform. Es sei nicht erkennbar, was durch die Abschaffung der Bezirksregierung nachhaltig besser und eingespart werden solle.
Die Verwaltungsstrukturen würden „per Dekret von oben verändert“. Die Reform der Polizeistrukturen habe schon erschreckt. Wie schon vor Jahren bei den Straßenbauämtern sind jetzt die neuen „Präsidien“ zugeordnet: Vechta nach Osnabrück und Cloppenburg nach Lingen. Die als „geheime Kommandosache“ übergestülpte Polizeireform überzeuge die Menschen nicht und sei eine „grobe Missachtung“ der gewachsenen und sachlich gebotenen Arbeitsbeziehungen. Ähnliches sei zu befürchten bei der Neugliederung des Staatlichen Baumanagements.
Cloppenburgs Landrat Hans Eveslage fehlt die Abstimmung des Gesamtkonzeptes bei der Verwaltungsreform. Es sei Mut, Entschlossenheit und „ganz hohes Tempo“ zu attestieren. Aber diese Geschwindigkeit verhindere den Dialog. So würden gewachsene organische Strukturen zersplittert. Cloppenburg würde in vielen Bereichen - so zum Beispiel bald bei den Einsatzleitstellen – dem Großraum Emsland und Vechta dem Osnabrücker Bereich zugeordnet. „Brisant und besorgniserregend“ nannte Heimatbund-Präsidentin Hildegard Kronlage die derzeitige weitgehend nichtöffentliche Diskussion. „Wenn wir nicht Stellung nehmen, wer sonst?“. Kronlage: „Es brennt“.
„Den Kreis an der Seite und die Bürger im
Rücken“
Anni Wagner aus Lohne die „Goldene Blume“ überreicht - 50 Jahre im
Ausschuss
Bösel (hg) - Forsch und ohne kritische Zwischentöne wickelten die rund 60 Delegierten des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland ihre Frühjahrs- Tagung dieses Mal in Bösel routiniert ab. „Mit den Landkreisen zur Seite und den Bürgern im Rücken“ gehe die Arbeit voran, meinte Präsidentin Hildegard Kronlage.
Eröffnet
durch ein Böseler Schulprojekt zum Kreuzkampf 1936 - Querelen bei der Einweihung
der Böseler Volksschule 1936 führten zum bekämpften Oldenburgischen Erlass - und
beendet durch eine Resolution zur Verwaltungsreform des Landes Niedersachsen
(siehe nebenstehenden Bericht) war die umfangreiche Tagesordnung in gut zwei
Stunden abgewickelt.
Dabei erinnerte Rudi Timphaus (Mühlen) für den Ausschuss für plattdeutsche Sprache die Landesregierung an den Erhalt des Lehrstuhles für Niederdeutsche Sprache. Der Heimatbund selbst wolle die Arbeit in den Kindergärten intensivieren. Franz Hericks (Strücklingen) bat für den Ausschuss für Naturkunde darum, die Besichtigungstouren zu den Kranichbeständen – „sehr scheue Tiere“ - im südlichen Kreis Vechta zu unterlassen. „Ein Drittel der weltweiten Kranichbestände sind dort“. Auch die Berichte von Engelbert Beckermann (Geschichte), Dr. Otto Hachmöller (Familienkunde), JosefMoorbrink (Umweltschutz) und Peter Sieve (Heimatbibliothek) wurden ohne Diskussion angenommen.
Heimatbund
- Präsidentin Hildegard Kronlage hatte vor den Grußworten von Bösels
Bürgermeister Höffmann angesichts der „religions- und menschenfeindlichen
Ideologie“ des Nazi-Regimes auf dem Schulsektor daran erinnert, „dass es 1936 in
unserer Region Menschen gab, die den Mut aufbrachten, die Konfrontation mit den
Funktionären des totalitären Machtstaates zu suchen“. Geschäftsführer Heinrich
Havermann erinnerte an die Festlichkeiten zum vor 200 Jahren erfolgten Wechsel
der Region vom Hochstift Münster zum Herzogtum Oldenburg, an den Münsterlandtag
in Garrel. Im Geschichtsausschuss, mit Bildungs-, Wander- und Studienfahrten, in
Beiräten und in Büchern sei das Ziel, „die Eigenarten des Oldenburger
Münsterlandes zu erforschen, zu erhalten und weiter zu entwickeln“, erfolgreich
verfolgt worden. Die „Goldene Blume des Oldenburger Münsterlandes“ erhielt Anni
Wagner (Lohne). Sie habe sich 50 Jahre im Ausschuss für Naturkunde engagiert und
dabei außerordentliche Verdienste erworben, würdigte Präsidentin Kronlage. Ihr
„reicher Erfahrungsschatz“ habe die Arbeit des Ausschusses gefördert und „ihre
gesellige und fürsorgende Art das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Mitglieder
des Ausschusses gestärkt“. Seit Beginn der 50er Jahre habe Anni Wagner an fast
allen Veranstaltungen, Arbeitssitzungen und Exkursionen des Ausschusses für
Naturkunde im Heimatbund aktiv teilgenommen.
Bild 1:
Eine Projektgruppe der Hauptschule Bösel unter der Leitung von Lehrer Gerd
Wieben stellte Einzelheiten des Kreuzkampfes 1936 und Böseler Details dazu vor.
Bild
2:
Die „goldene Blume des Oldenburger Münsterlandes“ hängte Heimatbund-Präsidentin
Hildegard Kronlage Anni Wagner um.